Unter der Asche des Vulkans Puyehue

Das Seengebiet im Norden Patagoniens

Im Dezember 2011 ist fuer alle ueberraschend der Vulkan Puyehue ausgebrochen. Er befindet sich auf chilenischem Boden, der Nationalpark, den ihn umgibt grenzt an Argentinien. Der Wind weht von den Anden Richtung Osten, deshalb liegen die Orte im Seengebiet Argentiniens seit dem Ausbruch unter Asche. Anfaenglich musste sogar der Notstand ausgerufen werden. Der Flughafen in Bariloche ist immer noch geschlossen, der Vulkan spuckt und spuckt und hoert nicht auf.

Am schlimmsten betroffen ist das Staedtchen Villa la Angostura, 35km Luftlinie entfernt vom Hoellenkrater.

 

Der Weg von Chile zurueck nach Argentinien fuert ueber einen Pass und nahe am Vulkan Puyehue vorbei. Da oben sieht es sehr gespenstisch aus. Ein bisschen wie eine Winterlandschaft, mit dem Unterschied, dass nicht meterweise Schnee liegt sondern weisse oder genauer gesagt hellgraue Asche. Die Baeume sind alle abgestorben. Ein Wunder, dass die Strasse ueberhaupt geoeffnet ist - die Sicht betraegt etwa 50 Meter, mehr nicht. Es sieht ein bisschen aus wie Nebel, aber es ist Vulkanasche, die die Sonne verdeckt.

 

In Villa la Angostura liegt viel Asche. Die Bevoelkerung kaempft tagtaeglich, versucht, die Asche von den Strassen, aus den Haeusern, aus dem Leben zu wischen. Ein schier unmoegliches Unterfangen, aber die Menschen geben nicht auf. Mehrmals taeglich bespritzen grosse Tankwagen die Kiesstrassen, damit der Staub nicht aufwirbelt sondern am Boden klebt, tagtaeglich putzen die Einwohner ihre Haeuser und Hotels, stauben ab und fangen am naechsten Tag wieder von vorne an. Er dringt durch alle Ritzen, auch durch die Nase, dieser fiese Staub.

Abgesehen von der Asche (la ceniza) ist das Staedtchen wirklich huebsch, lebt vom Tourismus, und uns wird schnell klar, warum das Hostel uns einen so grosszuegigen Rabatt gewaehrt hat.

Die Landschaft ist grandios und erinnert uns in ihrer Schoenheit ganz stark an die Schweiz. Der Nahuel Huapi See glitzert in den Farben tuerkisblau bis smaragdgruen, das Wasser ist kristallklar. Was auf den ersten Blick aussieht wie Schmutz, der am Ufer des Sees schwimmt, entpuppt sich als hellbraune Vulkansteinchen, die so poroes sind, dass sie schwimmen, und an Hydrokultur-Chuegeli der Topfpflanzen erinnern.

 

Wir lassen uns von der Asche nicht unterkriegen und gehen trotzdem wandern, auch wenn es am Nachmittag aussieht, wie wenn das Wetter sich verschlechtern wuerde, dabei sind es nur Aschewolken, die wie Hochnebel aussehen. Auf der etwas langweiligen Wanderung zum weltweit einzigen Arrayanes-Wald, spielen wir Verstecken. Einmal verstecken Jerome, Thierry und ich uns so gut, dass Joel uns nicht auf Anhieb findet. Nach zehnminuetiger Stille und einer anfaenglichen Freude ueber das gute Versteck, nachdem wir unseren Verfolger nirgends mehr sehen und hoeren koennen, mache ich mir langsam Sorgen und renne ein ganz schoenes Stueck zurueck, waehrend ich Joels Name rufe. Thierry geht in die andere Richtung, und als ich ihn und Jerome wieder eingeholt habe und wir Joel immer noch nicht gefunden habe, renne ich den ganzen Weg zurueck, bis zum Eingang, wo der verlorene Sohn auf uns wartet. Das waren ein paar Kilometer unfreiwilliges Jogging und ein gratis Adrenalischub dazu!

 

Am naechsten Tag fahren wir 100km in den Norden, nach San Martín de los Andes, wo man von der Asche nicht mehr viel sieht. Wir wandern durch Indianergebiet der Mapuche Indianer zu einem Mirador, einem Aussichtspunkt, der auch bei Mountainbikern sehr beliebt ist. Leider sind die Wege zahlreich und alles andere als eindeutig. Den Mirador finden wir zwar nicht, steigen aber bis zur Spitze des Huegels auf, wo wir eine wunderbare Aussicht auf den Lago Lacar, San Martín de los Andes und die Gegend haben.

 

Auf dem Rueckweg wird der Weg immer schmaler, bis wir uns durch stachelige Gestrueppe kaempfen muessen, und einmal unter einem Busch durch den Staub robben. Aber alles Muehsame hat seine Vorteile, denn Joel findet 50 argentinische Peso - das sind fast 12 Franken! Der Weg endet bei einer Klippe, die wir, die Kinder sichernd, hinunterklettern muessen. Gelandet sind wir in den Slums von San Martín, der Heimweg ist ein Thema fuer sich.

Das war wieder einmal genug Abenteuer fuer die naechsten paar Tage!

 

Die Fahrt nach Junín de los Andes ist nur kurz. Von dort aus nehmen wir den Bus (collectivo) bis nach Puerto Canoa in den Nationalpark “Volcano Lanín”. Manchmal ueberkommt uns das Gefuehl, dass Argentinien soviele Nationalparks hat, um bei den Touristen abzukassieren. (Wie waere es, wenn wir den Kanton Graubuenden zum Nationalpark deklarieren wuerden, nach Sargans Zahlhaeuschen aufstellen wuerden und so, wenn schon nicht unsere AHV, dann doch vielleicht unsere IV finanzierten? Mit dem Wallis koennten wir…. STOP mit den absurden Gedanken!)

 

In den Nationalpark “Lanín” fluechtet im Sommer der stressgeplagte Porteño (Einwohner von Buenos Aires), wo er campt, fischt, badet, und den ganzen Tag Mate-Tee trinkt. In dieser Einsamkeit kann er sich schnell und gut erholen, und das muss er auch, denn er hat nur 2 Wochen Ferien pro Jahr! Verschiedene Campingplaetze liegen direkt am See “Huechulafquen” und bieten eine herrliche Aussicht auf den perfektesten aller Vulkane (rein optisch, und in Anbetracht dessen, dass er friedlich schlaeft auch dank seines Charakters). Der Vulkan ist eingebettet in eine idyllische See- und Berglandschaft und die Spitze des Laníns ist mit Schnee bedeckt – ein wahres Bijou! Auch auf dieser Wanderung finden wir uebrigens keinen eindeutigen Weg, aber die Stachelpflanzen halten sich fuer einmal im Rahmen. Es ist die letzte Wanderung auf unserer Weltreise, und deshalb halten wir es bis zum Schluss durch, auch wenn das letzte Stueck heiss und der Weg auf der Kiesstrasse langweilig und staubig ist und sich extrem in die Laenge zieht.

Die Gegend ist trotzdem ein Traum und Einsamkeit findet man ueberall. Wahrscheinlich wegen dem langen, muehseligen Anfahrtsweg: mehr als 2 Stunden faehrt der alte Bus ueber staubige, holprige Kiesstrassen.

 

Ja, und nun berichte ich euch ueber den dritten und letzten Adrenalinschub, der mich innert nur 3 Tagen ereilt hat: Seit der Busfahrt von San Martín nach Junín ist unsere Kamera weg!

Deshalb keine schoenen Fotos fuer einmal, nur schoene Worte - leider...

 

Nachtrag vom 30.1.12

Auf dem Handy und im Internet habe ich doch noch ein paar Fotos gefunden. 


zu den Fotos

 

 

 

 

 

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Momentaner Aufenthaltsort

Highlights

  • Bergkette im Sueden Kasachstans
  • Boomende Staedte in China, Beijing und Shanghai
  • Einsamkeit und Schoenheit der Natur in Kanada
  • Besuch bei Onkel Christian in Kalifornien USA
  • Regen(!)wald und tropische Straende in Costa Rica
  • Das beeindruckendste Bauwerk: der Panama Kanal
  • Canyons im Norden Argentiniens, Gletscher, Wind und Endzeitstimmung in Patagonia und Tierra del Fuego
  • Sandduenen und gemuetliches Strandleben in Uruguay