Mit dem Schiff durch die chilenischen Fjorde

Die umgebaute NAVIMAG Faehre "Evangelistas"
Die umgebaute NAVIMAG Faehre "Evangelistas"

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In Puerto Natales startet ein neues Abenteuer: Wir moechten die Fjorde, den feuchten Teil Patagoniens, aus einer neuen Perspektive kennenlernen und deshalb gehen wir fuer 4 Naechte an Bord der NAVIMAG Faehre. Die "Evangelistas" ist ein Frachtschiff, dass zu einer Faehre umgebaut wurde, und als sie in den 1950er Jahren ihren Betrieb aufnahm war es das erste Mal, dass eine Verbindung zwischen dem Sueden und dem Norden von Chiles Patagonien geschaffen wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt muss das Leben im Sueden noch viel haerter gewesen sein, ohne Informationen, Fruechte und Gemuese. Heute ist die Faehre  Touristenattraktion und Verkehrsmittel zugleich.

 

Einmal woechentlich legt die Faehre in Puerto Natales an - voller Vorfreude gehen wir an Bord. Unsere Kajuete hat die Nr. 149 und am Anfang fehlt uns noch ein bisschen die Orientierung, aber schon bald kennen wir die 3 Decks wie unsere Hosentaschen und wir fuehlen uns auf dem Schiff zu Hause. Drei Mal taeglich wird im Esssaal das Essen serviert, dazwischen finden verschiedene Aktivitaeten statt. An Informationsveranstaltungen lernen wir viel ueber das Leben in Patagonien, die Gletscher, Flora und Fauna. Die Yogastunden lassen wir ausfallen - wir freuen uns zu fest auf unsere Yogalehrer Maya und Vasili in Zuerich!

 

Joel und Jerome lernen schon bald alle Kinder an Bord kennen und geniessen es, ganze Nachmittage in einer grossen Horde vor der Wii zu verbringen. Dazwischen koennen von der Reling aus Tiere beobachtet werden. Wale sehen wir einige, sie zeigen uns ihren Spruehbrunnen und ihre Rueckflossen, Delphine und Robben, die in grossen Gruppen bei Sonnenuntergang im Wasser spielen und springen.

Beim Gletscher "Brujo" faehrt der Capitano ganz nahe heran, damit wir ihn vom Wasser aus bewundern und fotografieren koennen.

 

Viel Zeit verbringen wir mit unseren neuen Bekanntschaften.

Bea und Moritz, die wir im Nationalpark Torres del Paine kennengelernt hatten, sind auch an Bord. Zwischen interessanten Gespraechen mit den beiden fuehren sie uns in die hohe Kunst des Jassens ein und zeigen uns das "Weisen".

Auch Benny und Christine haben viel zu erzaehlen, sie waren ein Jahr mit dem Velo in Nord- und Suedamerika unterwegs. Sie sind an abgelegene Orte gekommen, von denen wir nur traeumen koennen! Sie zeigen uns den "Une-ufe" und "Oben-abe", spielen mit uns Match um Match, bis "Stoeck" und "Boeck", "Wiise" und "Schiebe" zu unserem Vokabular gehoeren.

Auch Martin und Christine treffen wir an Deck immer wieder an, auch sie haben wir vorher schon, im Hostel kennengelernt. Martin weiss als Biologe viel ueber die Tiere und hat einen ultraguten Feldstecher dabei.

Die nette englische Lady, die mit ihrem pensionierten Mann der Royal Airforce, 3 Monate herumreist, erklaert sich bereit, taeglich mit Joel Konversation zu ueben. Ein so schoenes "sauberes" englisch zu hoeren macht wirklich Freude und Joel hat einen Riesenspass.

Dass der freundliche, immer lachende Franzose in Wirklichkeit Belgier ist, auf Mallorca lebt und Weinhaendler ist, erfahren wir leider erst am letzten Tag. Sofort freundet Thierry sich mit ihm an und geniesst es, wieder einmal mit einem Gleichgesinnten fachzusimpeln.

 

Die Begegnungen mit diesen interessanten Menschen, die oberflaechlichen und tiefgruendigen Gespraeche, bereichern unsere Reise und auch unser Leben, und ich hoffe, dass wir moeglichst alle von ihnen in der Schweiz wieder sehen werden.

 

Patagonien hat verschiedene Gesichter. Oestlich der Anden, in Argentinien, ist es sehr trocken; dort herrschen Steppe und Wueste vor. Um die Anden herum befinden sich Gletscher und weiter noerdlich auch Vulkane. Im Westen sind tausende Inseln, Fjorde, Schneisen, die die Gletscher ausgefressen haben. Hier ist es oft neblig, die Wolken bleiben hier haengen und entladen sich. Das gibt dieser Region ein ganz spezielles Ambiente. Diese unglaublich schoene Landschaft hat sich seit Jahrhunderten oder sogar Jahrtausenden nicht gross veraendert.

Genauso unwirtlich, unberechenbar und faszinierend muss es schon zu Zeiten von Ferdinand Magellan ausgesehen haben, der am 21. Oktober 1520 die Strasse von Magellan, den natuerlichen Kanal, entdeckte.

 

Er stand im Dienste der spanischen Krone und bewies den Europaeern, dass die Welt rund ist. Allerdings gelangte er erst sehr spaet zu seinem Ruhm. Die spanische Besatzung hielt naemlich nicht viel von ihrem portugiesischen Kapitaen. Zudem hatte man Angst, dass man hinunterfiel, in die Hoelle, ins Fegefeuer, wenn man ueber den Rand des Tellers Erde segelte.

Der Portugiese gab Patagonien seinen Namen.

Als er erstmals die Ureinwohner sah, die eine durchschnittliche Groesse von 1.80 Meter hatten, im Vergleich zu den 1.55 Meter grossen Spaniern, bezeichnete er sie als "Patagones", als Riesen, und das Land nannte er Patagonia.

Auf der Insel "Tierra del Fuego", Feuerland, sah er viele Feuer, die von den Indianern stammten. Warum die Yámana Indianer soviel Feuer hatten und brauchten, weiss der aufmerksame Leser ja dank Joels Vortrag. Er gab auch Feuerland seinen Namen.

 

Am Abschlussabend wird ein Bingo veranstaltet, die Bar ist rammelvoll und die Stimmung super. Mein persoenlicher Hoehepunkt ist, dass ich den Hauptpreis gewinne, nachdem ich vor allen Tanzen musste. Zum Glueck kam Jerome mit mir auf die "Buehne", zeigte eine wagemutige Breakdance-Show, so dass er alle Aufmerksamkeit auf sich zog. Seither schleppen wir zu allem Gepaeck noch ein Glas, einen Navimag-Faserpelz und eine Flasche Red Label mit uns herum...

 

Nach 3 vollen Tagen und 4 Naechten sind wir uns einig, dass die Fahrt auf der NAVIMAG Faehre eines unserer tollsten Erlebnisse war, auf unserer grossen Reise. Die lange Zeit, die wir mit 246 anderen Passagieren auf engstem Raum verbrachten, werden wir nie mehr vergessen. Und auch, dass wir auf bequemsten Weg, im Nu 1'500 km Richtung Norden zurueckgelegt haben. Auf der Strasse waeren es mehr als 2'500 km gewesen!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Odile+Lüz (Montag, 23 Januar 2012 12:45)

    Quelle belle description de votre séjour sur ce "ferry" ! Merci beaucoup. Nous en apprenons des choses ! Comme disait Jean Gabin "On ne sait jamais". C'est bien vrai.
    Bisous à tous les quatre.
    Muschka/Odile/Nani
    Lüz/Neni

  • #2

    Amanda Kohler (Donnerstag, 26 Januar 2012 15:39)

    Danke für den Blogglink. Spontan hab ich draufgeschaut und siehe da,lustig, genau vor einem Jahr war ich auf der gleichen Fähre in Chile. Da werden Erinnerungen wach...
    Ich bin sehr gespannt auf die Geschichten! Die Klasse und ich freuen uns auf Jerome. Gute Reise noch wünsche ich, geniesst die restliche Zeit. Herzlich Amanda Kohler

Momentaner Aufenthaltsort

Highlights

  • Bergkette im Sueden Kasachstans
  • Boomende Staedte in China, Beijing und Shanghai
  • Einsamkeit und Schoenheit der Natur in Kanada
  • Besuch bei Onkel Christian in Kalifornien USA
  • Regen(!)wald und tropische Straende in Costa Rica
  • Das beeindruckendste Bauwerk: der Panama Kanal
  • Canyons im Norden Argentiniens, Gletscher, Wind und Endzeitstimmung in Patagonia und Tierra del Fuego
  • Sandduenen und gemuetliches Strandleben in Uruguay